A Cat in London

Multi-Kulti lebt!

11Juni
2014

Ich lebe!

Hallo, ja, es gibt mich noch. Unglaublich, wieviel Zeit seit meinem letzten Eintrag vergangen ist und ich weiß eigentlich garnicht, warum ich einen neuen schreibe, da ich nicht denke, dass diesen Blog noch jemand verfolgt, aber ich hätte gerne ein schöneres Ende zu der Sache als einen Eintrag, der ein halbes Jahr alt ist!

Ich bin immernoch in London und halte tapfer durch, wie meine lieben Freunde auch. Swea fliegt nächste Woche nach Hause, danach werden wir nur noch zu viert durch die Strassen tigern - ein merkwürdiger Gedanke, wenn man bedenkt, dass wir ein 3/4 Jahr lang jedes Wochenende zusammen verbracht haben. Aber so zerbröselt der Keks nunmal. 

In den letzten paar Monaten hat sich (logischerweise) so einiges ereignet, hier ein paar Highlights: 

Am 15.2. habe ich auf dem Foals Gig einen super netten Franzosen kennengelernt, mit dem ich in Kontakt geblieben bin - wir haben uns seither öfters getroffen, doch leider geht auch er demnächst nach Hause und wir haben uns schon verabschiedet, aber ich bin überzeugt, dass wir uns nochmal über den Weg laufen werden, irgendwie irgendwo irgendwann. Am Tag nach dem Konzert bin ich nach *trommelwirbel* ISLAND geflogen. Ja genau, das da ganz oben im Norden was immer vergessen wird. Wunderschönster Ort den ich jemals gesehen hab, mit meilenweitem Abstand. Im Hostel in Reykjavik habe ich einige nette Leute kennengelernt, unter anderem Engländer, und mich natürlich nicht nur in die Stadt verknallt.
Ich kann es jedem nur wärmstens an Herz legen, sich die Zeit zu nehmen dieses wundervolle Land zu besuchen. Es ist garnicht so kalt wie alle sagen.. also schon ziemlich kalt, aber man überlebt. Wirklich. 

Die Wochen darauf war ich im absoluten Tief, aber die nächste Reise stand bevor, Anfang - Mitte April gings nach Schottland, zum Lake District und nach Cornwall. Habe jetzt ein bisschen was von Großbritannien gesehen und ich war wirklich nicht enttäuscht. 

Die Wochen darauf habe ich eigentlich ganz normal verbracht, mit ein bisschen extra Lernaufwand, da ich am 10.5. den TMS in Deutschland geschrieben habe. Ergebnisse erhalten wir zwischen Ende Juni und Ende September, spannender gehts also kaum. Mal sehen was sich ergibt. 

Weil ich jetzt erwachsen bin, habe ich mir auch einen Plan B zum Medizinstudium überlegt und mich an drei verschiedenen Unis hier beworben: King's College hat mich nach längerem Überlegen und persönlichem Interview abgelehnt, aber ich bin sowohl in Aberdeen als auch an der SOAS, meiner favorisierten Uni, angenommen worden. Werde also nicht nochmal ein Jahr nichts machen, wie mein Papa immer so schön sagt. 

Ansonsten hat sich eigentlich wirklich nicht viel ereignet - Raphael ist mit mir Mitte Mai zurück nach London gefahren, aber sonst hat mich leider niemand besucht. Nächste Woche kommt Papa, und danach gehts ja auch schon bald heim - mittlerweile zähle ich die Tage. Ich kanns kaum abwarten, die Arbeit los zu sein ehrlich gesagt, auch wenn ich die Familie mag, die Arbeit nervt mittlerweile einfach, vor allem, weil sie so Ergebnislos ist irgendwie. Man macht etwas sauber, der nächste schüttet Kaffee auf dem Boden aus, man räumt den Kühlschrank neu ein, der nächste gräbt sich durch und wirft alles durcheinander, und so weiter. Naja. 

Besonders viel Geld konnte ich auch nicht sparen (welch Überraschung), dafür besitze ich jetzt 2395 neue Kleider und ausserdem 809 paar Schuhe. Und ziemlich viele CDs. 

In zwei Wochen mache ich dann den IELTS, ein Sprachexamen, welches man für die Uni hier braucht. Ich bin die einzige von meinen Freundinnen, die keine Sprachschule besucht hat und kein Examen für irgendwas hat, also eine echte Aussenseiterin. 

Sorry für die langweiligen Beschreibungen, aber viel mehr ist wirklich nicht passiert, beziehungsweise sehe ich keinen Sinn darin, alles im Detail zu beschreiben. Die Sommerhitze ist jetzt da (ja, in England scheint die Sonne) und mir wird mal wieder klar, wie sehr ich den Sommer hasse... Aber da es in Deutschland anscheinend noch wärmer ist, bin ich ganz froh, im Moment hier zu sein. Falls sich noch etwas ereignen sollte, werde ich den Blog eventuell wieder updaten - mal sehen. 

 

xxx

22Januar
2014

Abschied, Oxford, Himmel und Hölle

Dieses Jahr erlebe ich zum allerersten Mal einen typischen Januar: Grau, regnerisch, langweilig, und irgendwie auch ein bisschen trostlos. Das englische Wetter ist jetzt auf jeden Fall da, es regnet deutlich häufiger (ich besitze immer noch keinen eigenen Regenschirm) und die Sonne lässt sich nicht mehr ganz so oft blicken. Aber hey - nur noch 9 Tage. Im Februar wird bestimmt alles komplett anders.

Die letzten zwei Wochen waren eher etwas ruhiger, so auch die Wochenenden. Vorletzten Samstag war ich in Greenwich: Das Städtchen am Nullmeridian (GMT = Greenwich Mean Time) und mit seinen schönen Gebäuden außerdem UNESCO Weltkulturerbe. Das Wetter war sehr sonnig und schön (im Moment wie gesagt Ausnahme) und so bin ich ein bisschen in dem riesigen Park herumspaziert und habe mir die Ausstellung zum Astrologischen Fotografen des Jahres im Royal Observatory angesehen. 

Ein Teil des Royal Observatory (mit gratis Fotomodell)

Royal Observatory

Im Hintergrund liegt das Londoner Bankenviertel, zwischen alt und neu fliesst die Themse

 

Greenwich kann man von Central London aus mit der DLR, dem Bootchen oder dem Zug erreichen. Ich hab mich für den Zug entschieden und bin natürlich prompt erstmal in die falsche Richtung gefahren.... Letztendlich aber doch angekommen. Denen, die London im Frühling oder Sommer besuchen kommen, kann ich nur empfehlen, eine solche Bootsfahrt nach Greenwich zu machen. Wer keine Museen mag hat in Greenwich auch andere Alternativen, zum Beispiel gibt es an Wochenenden den Greenwich Market und einen Antikmarkt etwas ausserhalb. 


Für den Abend war dann geplant, dass wir uns alle bei Melli treffen, um dort gemeinsam zu kochen und zu essen. Da ich noch recht früh dran war und meine Freunde alle wo anders waren, bin ich alleine wieder nach London reingefahren und ein bisschen in einer meiner Lieblingsecken spazieren gegangen: Southbank. Nähe London Eye zwar voll von Touristen, aber wenn man in Richtung Osten läuft einfach nur schön, vor allem bei Sonnenuntergang. Danach bin ich noch durch den St. James Park zum Buckingham Palace und dann via Charing Cross zurück nach Edgware. 

Hier gibts öfters mal Pferdchen zu sehen. Das London Eye nimmt an einem schönen Tag bis zu 16 000 Pfund pro Stunde ein

 

Übernachtet habe ich wieder mal bei Marie und Sonntags waren wir dann in Hampstead zum Frühstücken und Bücherläden plündern. 
Melli und ich haben den Abend mit Anka, Leonie und Karin bei Ankas Abschiedsessen verbracht. Kaum waren wir angekommen hat auch Karin angekündigt, dass sie ebenfalls nach Hause fliegt. Die beiden waren seit ca. Oktober hier, zum arbeiten und reisen. Wir waren vietnamiesisch essen und danach noch Cocktails trinken, Melli und ich mussten aber leider früher heim und der Abschied war dann doch echt doof. Aber wie sagt man so schön: Man sieht sich immer mindestens zwei Mal im Leben. :-) 

Dieses Wochenende war dann etwas mehr geboten, denn am Sonntag ging es zu 10. nach Oxford. Gedauert hat die Reise etwas mehr als eine Stunde, leider war ich den ganzen Tag über ziemlich verfroren und müde, da Marie und ich nur ungefähr 4 Stunden geschlafen hatten. Trotzdem wars schön. Ähnlich wie Cambridge ist Oxford recht klein (vielleicht ist das auch der London Effekt) und voller Studenten und Colleges. Wir waren hauptsächlich im Stadtzentrum und haben versucht, so viele Harry Potter-Drehorte wie möglich zu finden. Eine Stadttour haben wir auch mitgemacht - diese war nicht nur gratis, sondern auch amüsant, da sich unser Guide derart oft wiederholt hat, dass Melli und ich am liebsten ein Trinkspiel daraus gemacht hätten. Das ging ungefähr so: "This is the Bridge of Sighs. Do you all know what a sigh is? *sighs* The actual Bridge of Sighs is in Venice and is really a prison. So what you can see here is not the actual Bridge of Sighs, which is located in Venice and hosts a prison, but Oxford's Bridge of Sighs. You see, the real Bridge of Sighs is in Venice...." etc. Kein Scherz. Sehr amüsant. 

Der ganze Haufen: Linnéa aus Schweden, Hanna aus Saulgau, Océane aus Belgien, Astrid aus Toulouse, Marie aus KOLBINGEN, Dorka aus Ungarn, Melissa aus Hanau, Swea mit typischer Hamburger Fotopose? und Melli aus Langenau.

 

Was sehr interessant zu beobachten ist, ist die Tatsache, dass fast alle Au Pairs den gleichen Vorsatz für ihr späteres Leben haben: Niemals selbst ein Au Pair einzustellen. Meine Vorgängerin Ronja hat das ebenso in ihrem Freundeskreis festgestellt. Auch wenn viele meiner Freunde noch nicht wissen, was genau sie später machen werden, eines ist klar: Den Weg zur Hausfrau wird wohl niemand von uns freiwillig einschlagen. Ich überlege mir in letzter Zeit ziemlich oft, wie ich das später alles mal unter einen Hut kriegen soll, aber bevor ich mir ein Au Pair hole, muss doch einiges passieren. Keiner lässt seine Kinder gerne allein daheim, aber fest steht, dass Kinder, die öfter allein sind, auch oftmals viel selbstständiger sind, als Kinder, die nie alleine sind und von vorne bis hinten bedient werden. Ein kleines Beispiel: 
Gestern Abend ereignete sich folgendes Spektakel hier bei mir nebenan im Badezimmer: Millan hatte beschlossen, sein Taschenmesser zu reinigen, da dieses schmutzig war. Nicht jedoch wie jeder normale Mensch mit Spülmittel und einem Schwamm, nein: Er nahm sich einen Eimer Wasser zur Hand, vermischte diesen mit ungelogen 200ml Pantene Pro-V Shampoo und etwas Duschgel und wollte darin sein Messer einweichen lassen. Ich hab das ganze natürlich mitgekriegt und ihm gesagt, dass er dafür lieber Spülmittel nehmen soll, wenn er das Messer schon einweichen will. Am Abend kam er dann ganz stolz in mein Zimmer und präsentierte mir das "saubere" Messer.


"I used a toothbrush to get out the dirty bits in the edges..."
"Which toothbrush did you use?"
"This old, green one."
"Millan, there is no old, green one. You are talking about MY toothbrush."
"Noo, I didn't use yours! The green one was there long before you came! Wich one is yours, anyway?" 

Habe mir heute erst einmal eine neue Zahnbürste besorgt. 
Kleine Tiefs wie dieses werden glücklicherweise schnell durch Hochs ersetzt, denn fest steht, nur noch zwei Mal schlafen bis meine liebe Lotta hier vor der Türe, bzw. in Stansted am Flughafen, steht. Ich freu mich riesig! Ausserdem bringt sie mir Brause mit :-)

 

Fühlt euch alle gedrückt von mir (gestern war National Hug Day oder so, und auch wenn ich Hugs hasse, einmal im Jahr gehts), passt auf euch auf und bis bald! <3  

 

 

 

Edit: Das Wichtigste hab ich vergessen! und zwar werden Londons Strassen ab sofort vom COOLSTEN RUCKSACK DER WELT und mir unsicher gemacht! 


<3 <3 <3 <3

 

DAAANKEEE Jana, Carsten und Henrik - ich liebe euch! Und ihr fehlt mir! DANKE! :-) 

09Januar
2014

Prost!

Nach einer relativ langen Phase ohne Blogeintrag gibt es jetzt im neuen Jahr viel zu erzählen - ich fang am besten da an, wo ich aufgehört habe.

Der Abend in der O2 Arena war wirklich super. Die Musik war wie zu erwarten sehr gut und auch die Arena an sich ist ziemlich beeindruckend: Das ganze Ding ist nämlich wie ein Zelt aufgebaut und hat daher kein festes, sondern ein aufgespanntes Dach, wodurch es auch nicht ganz so heiss ist wie in anderen Konzerthallen. Leider hatten wir wie gesagt nicht die besten Plätze und saßen gefühlte 1000 Meter Luflinie von der Bühne entfernt, was allerdings (für mich) keinen Unterschied machte, da man auch von etwas weiter weg die kleinen Männchen auf der Bühne recht gut und die Lichteffekte sogar noch besser erkennen konnte. Gelungener Abend! 

Am darauf folgenden Wochenende ging es dann schon richtung Heimat, mein Flug ging Samstag morgens um 8 Uhr von Heathrow nach Stuttgart. Der Freitag davor war mit Abstand der beste Tag bisher, da ich fast den ganzen Tag alleine mit Millan, der nur den halben Tag Schule hatte, verbracht habe. Wir haben gemeinsam verschiedene Songs geprobt, er am Klavier und ich an der Gitarre, und es hat echt riiiiiiiiiesen Spass gemacht, mit ihm zu singen und zu musizieren. Der Nachteil der Sache ist, dass er das alles irgendwie seinen Eltern erzählt hat und es jetzt vermutlich darauf hinauslaufen wird, dass wir irgendwann ein Home Konzert geben müssen. 

Die Woche daheim war zwar stressig, aber schön, und es hat einfach gut getan, meine Familie mal wieder zu sehen (fühlt euch alle gedrückt!). Weihnachten ist die schönste Zeit im Jahr und dieses Mal ist mir das besonders klar geworden. Leider war die Woche sehr schnell vorbei, am 28. ging mein Flieger nach Hause, und der einzig ruhige Tag war eigentlich der 27., den ich mit Papa in Tübingen verbracht habe. Mein Rückflug hatte dann leider zwei Stunden Verspätung und ich kam mitten in der Nacht in Heathrow an, habe zum Glück noch die Tube gekriegt (fährt nur bis ca. halb eins) und musste dann aber feststellen, dass die Northern Line, die mich normalerweise nach Hause bringt, natürlich ausgerechnet zu dem Zeitpunkt ab Camden gesperrt war und ich von da aus noch zwei Busse nehmen musste, um endlich daheim anzukommen. 
Auch wenn ich jetzt schon eine Weile hier bin finde ich North London nachts immer noch einfach nur gruselig, und ich war wirklich froh, gegen halb zwei nach einem kurzen Heulanfall aufgrund des Zustands des Hauses endlich in mein Bett zu fallen. Meinen Sonntag wollte ich dann trotzdem nutzen und bin alleine ein bisschen durch die Stadt getigert, da von meinen Freunden noch niemand Zuhause angekommen war. 

Sonntag abends habe ich dann meine Familie hier wieder gesehen (Samstag nachts schliefen sie schon und Sonntag morgens schlief ich noch) und alle waren total süß und lieb und ich hab mich gefreut wieder hier zu sein. Die Woche darauf war zwar anstrengend, weil es doppelt so viel Arbeit wie sonst gab und ständig irgendwelche Verwandten und Freunde da waren, aber es war eben auch Silvester und dadurch hatte ich nur vier anstatt fünf Arbeitstage. Silvester verbrachten wir wie geplant erst im Pub, dann an der Themse, und es war eigentlich garnicht so voll wie erwartet. Wir standen in der Nähe vom Embankment Pier, also schon ein Stück entfernt vom eigentlichen Feuerwerk am London Eye. Die Lichter waren wirklich schön anzusehen und obwohl das ganze irgendwie nur 10 Minuten gedauert hat waren wir nicht enttäuscht.  

Silvester mit Anka, Karin, und Melli

Am 5. Januar sind wir dann alle gemeinsam ins English National Ballet gegangen und für den recht kleinen Preis hatten wir wirklich gute Plätze. Ich war vorher noch nie in einer Ballettaufführung, fand die Vorstellung aber wirklich schön und bin stolz darauf, mich nun kulturell weitergebildet zu haben haha.

    MARIELE <3

Ansonsten ist hier eigentlich alles beim Alten, außer, dass Millan sich seine alte Gitarre aus dem Loft geholt hat und ich ihm jetzt nicht nur ständig was neues beibringen, sondern mir das Beigebrachte auch zu jeder Tages- und Nachtzeit anhören muss. Er kam zum Beispiel gestern nacht um kurz vor elf in mein Zimmer (leider ist er ein "The Big Bang Theory-Fan", d.h. er klopft ungefähr so an meiner Tür: JENNY *klopf klopf klopf* JENNY *klopf klopf klopf* JENNY *klopf klopf klopf*) um mir eine halbe Stunde lang einen C-Akkord vorzuspielen. 

Die kommenden Wochen werden jetzt etwas aufregender, da an fast jedem Wochenende was ansteht: In zwei Wochen kommt mich meine liebste Lara übers Wochenende besuchen, Ende Februar kommt Caro für eine Woche nach London und ich hoffe, dass sich auch Max nach dem schriftlichen Abi langsam mal herbequemt. Auch wenn ich kaum Heimweh habe, ist es schön, wenn mich ab und an mal ein Stück Heimat besuchen kommt :-)  

 
               Schlittschuhlaufen im Hof des Somerset HouseThe Shard, höchstes Gebäude Europas Blick auf die Tower Bridge :) Swea presents to you: St Pauls Cathedral! feuerpupsender Tuba-Spieler Süßis! 

10Dezember
2013

you always meet twice

Wer noch nie in Großbritannien oder speziell in London war aber unbedingt mal hin möchte, wird sich beim ersten Aufeinandertreffen mit einem Local sicherlich über deren merkwürdige Ausdrucksweise wundern. So ging es auch mir an meinem ersten Wochenende hier: Während der ersten Shopping-Tour hat mich doch tatsächlich ein Verkäufer mit folgenden Worten angeredet: "Can I help you with anything, baby?" 
Mittlerweile ist das zum Glück nichts besonderes mehr. Egal ob die Frau, die dir im Pub den Gin verkauft oder der etwas seltsame Kassierer im Aldi - hier ist dein Name immer entweder "Darling", "Sweetheart" oder weiß der Kuckuck was. So kann es auch mal vorkommen, dass jemand bei dir an der Türe klopft und sowas sagt wie: "I was just wondering if I you'd be interested in some fresh fish my darling?" oder dir der Türsteher deines Lieblingspubs ein Päckchen Malteser während der Kontrolle aus der Tasche klaut und kurz darauf mit Handkuss zurück gibt. 

Neben Kosenamen ist auch Weihnachten hier in London sehr beliebt; Weihnachten und alles was damit zu tun hat. Hier ist permanent alles ein bisschen schöner, edler und liebevoller gemacht als daheim - fast jede Straße, auf die sich ab und zu ein Tourist verirrt, ist beleuchtet, alle Schaufenster sind super schön geschmückt und sogar die Essensverpackungen im Marks and Spencer scheinen noch hübscher als sonst zu sein. Leider ist die Innenstadt zur Weihnachtszeit auch doppelt, wenn nicht sogar vier Mal so voll wie normalerweise (und normalerweise ist auch schon viel los), was jedoch sehr nachvollziehbar ist - schließlich gibt es in London schlichtweg alles, was das Herz begehrt, und zur Weihnachtszeit eben auch alles, was das Herz der Liebsten begehrt. Anders als gedacht macht Weihnachtsshopping hier jedoch nicht ganz so viel Spaß, denn irgendwie wird durch das riesige Angebot die Ratlosigkeit darüber, was man denn nun kaufen soll, noch größer. Neben den vielen Geschäften gibt es nämlich auch noch gefühlte tausend Märkte, überall in London verteilt. Egal wo man hingeht, es gibt immer einen Markt - auch wenn man gerade garkeinen will. Die bekanntesten sind vermutlich der Camden Lock Market, der auf der Brick Lane und der Spitalfields Market. Überall gibt es zwar das gleiche Asia-Zeug, aber eben nicht nur: Ab und zu findet man auch mal einen Stand, der keine Massenware verkauft, und sich dann für etwas zu entscheiden kann echt richtig schwierig werden, da meistens alles super schön ist.


Da es mit der Zeit langsam echt knapp wurde und noch so viel zu besorgen war habe ich mich am Samstag dazu entschlossen, nach Shepherds Bush zu fahren und im Westfield, dem größten Shoppingcentre Europas, noch meine restlichen Sachen zu kaufen. Glücklicherweise war es nicht ganz so die Hölle, wie ich erwartet hatte: Es war zwar viel los, aber man konnte atmen und sich sogar frei bewegen. Hanna war auch dort und so haben wir nach der anstrengenden Shoppingtour noch lecker gemeinsam gegessen.
Wie wir ja alle wissen ist die Welt ein Dorf und so begab es sich doch tatsächlich, dass ich auf dem Weg nach draußen mit Hanna auf DEN (!!!) Engländer traf, mit dem ich mir im Juli in einem stockholmer Hostel ein Zimmer und Stockbett geteilt hatte. Vor lauter Glück und Erstaunen verfiel ich leider in eine Art Schockstarre und verlor die Kontrolle über mein Gehirn - folglich verlief die Unterhaltung relativ einseitig. Anders als ich war er total cool und unterhielt sich mit mir als wäre ich eine Arbeitskollegin, die er jeden Tag sieht. Trotzdem ist die ganze Sache rückblickend doch eher peinlich verlaufen. Naja.

Am Freitag ist es dann endlich Zeit für das erste Konzert hier in London, und dann auch noch gleich in der riesigen O2 Arena: Two Door Cinema Club mit Unterstützung der Crystal Fighters. Ich freu mich ziemlich, auch wenn wir nicht die besten Plätze gekriegt haben. Auch für Tom Odell hab ich mir jetzt endlich ein Ticket gekauft, und den Ticker für das Ereignis des Jahres 2014 seht ihr ja rechts in der Spalte. Samstags darf ich dann Babysitten: Meine Kinder und dann noch die Kinder der Freunde meiner Gasteltern. Normalerweise hätte ich Angst, aber nichts kann jemals so gruselig werden wie Amikas vierzehnter Geburtstag, an welchem 15 Teenager-Mädels das Haus stürmten, permanent kicherten und sich nacheinander für mehrere Stunden im Bad einschlossen.

 

 

 

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Manchmal kann ein Ereignis Menschen auf der ganzen Welt vereinen - jedoch nicht nur in Trauer, sondern auch im Stolz, ein bisschen Lebenszeit mit einem solch bedeutenden Menschen wie Nelson Mandela geteilt zu haben. Allen, die sein Buch "Der Lange Weg zur Freiheit" noch nicht gelesen haben, kann ich es nur empfehlen. Hier könnt ihr alles finden, was ihr sonst über ihn wissen wollt: http://archive.nelsonmandela.org/home

“What counts in life is not the mere fact that we have lived. It is what difference we have made to the lives of others that will determine the significance of the life we lead.” - Nelson Mandela

02Dezember
2013

a very academic weekend

Damit jeder von uns ein bisschen auf seine Kosten kommt, haben meine Freundinnen und ich einen Pakt geschlossen: Jeder darf ein Wochenende ganz nach seinem Geschmack gestalten bzw. planen und muss den anderen nicht verraten, wo es hingeht oder was gemacht wird. Letztes Wochenende war Melli dran - da wir den Samstag alle mit Weihnachts-Shopping verbracht haben, hat sie nur den Sonntag genutzt, aber der war dafür umso toll, denn es ging nach Cambridge. 

Nachdem wir alle möglichen Züge verpasst haben und die Tube mal wieder nicht so wollte wie wir sind wir gegen eins in Cambridge angekommen, wie es sich für England gehört natürlich bei heiter Sonnenschein und fast ganz blauem Himmel. Die Stadt, die für ihre eine Milliarde Colleges und bei mir für ihre ehemalige Bewohnerin Charlotte G. berühmt ist, ist recht klein und überschaubar - ganz ungewohnt für uns Londoner. Auf dem Weg Richtung Flüsschen sind wir dann in eine typische Touristenfalle getappt, ohne dies jedoch zu bereuen. Ein äußerst charmanter Brite hat uns eine Stocherkahnfahrt für ganze 11 Pfund pro Person angedreht, denn die Briten sind Geschäftsleute und wissen ganz genau, warum sie keine grummeligen alten Männer, sondern junge, hübsche Studenten auf die Touristen loslassen. Wobei ich an diesem schönen Tag vermutlich auch einem älteren Herren ein Ticket abgekauft hätte. 
Nach der Dank des Stocherkahnfahrers doch sehr unterhaltsamen Bootsfahrt haben wir uns noch eins der Colleges (Pembroke College) von innen angesehen und die ein oder andere hat dann doch ein bisschen davon geträumt, eines Tages hier zu studieren. 

Auf die Zugfahrt nach London folgte die Rückreise nach Edgware mit meiner geliebten 113 und daheim angekommen habe ich mich dann mal im Internet ein wenig darüber schlau gemacht, wie das denn so aussieht, von wegen Medizin in Cambridge studieren und so weiter. Festgestellt habe ich, dass es dort tatsächlich Colleges gibt, die ganze 8 Medizinstudenten pro Jahr zulassen. Zum Glück bin ich dann doch nicht ganz so exklusiv.

 

Hier noch ein Foto von meinen süßen Freundinnen :-)  

Hanna - Marie - Melli - Swea

 

 

Da heute den ganzen Tag über nicht so viel los war bei mir, hatte ich viel Zeit zum Gitarre üben. Um mich selbst ein bisschen unter Druck zu setzen veröffentliche ich das hier jetzt mal, dann komm ich aus der ganzen Sache nicht mehr so einfach raus: 
Ich habe mir hier von irgend jemandem in West Ealing eine Gitarre gekauft, weil ich mir vorgenommen habe, mindestens einmal dieses Jahr in London auf der Straße zu singen und zu spielen (ausserdem hat mir Inga, meine andere Gitarre, die ich daheim gelassen habe, ziemlich gefehlt). Ich dachte, das wäre ein netter Vorsatz für die Zeit hier - mittlerweile hab ich zwar festgestellt, dass man an manchen Orten in London sogar eine Lizenz braucht, um zu Singen (die Lizenz zum Singen haha), aber wenn ich schnell genug singe, erwischt mich bestimmt niemand. Falls ihr irgendwelche Liedvorschläge für mich habt, dürft ihr diese gerne in den Kommentaren hinterlassen! Mut machen dürft ihr mir auch gerne :-)

Fühlt euch gedrückt und vermisst,

Jenny  

02Dezember
2013

Spät dran

- mit Grund! 

Wie auch rechts in der Spalte schon erwähnt hatte ich mir über einen eigenen Blog wirklich keine Gedanken gemacht. Ein Jahr in London - was gibts da schon groß zu erzählen? Vor allem wenn man keine Ausnahme ist, sondern der halbe Freundeskreis sich quer über den Globus verteilt hat (und dann auch noch auf Orte wie Australien, Neuseeland, Thailand oder Irland). Mit derartig abenteuerlustigen und mutigen Freunden hat man schwer zu kämpfen, damit man sich als kleiner Fisch über Wasser halten kann. Oder unter Wasser. Mittlerweile habe ich aber festgestellt, dass London der restlichen Welt in nichts nachsteht, im Gegenteil: London fühlt sich an wie die ganze Welt in einer Stadt. An manchen Stellen sogar genauso eng (wer mir nicht glaubt, kann gerne mal samstags auf der Oxford Street "spazieren gehen"). Außerdem gibt es wohl doch das Ein oder Andere zu erzählen und ich bin sicher, dass sich zumindest meine größten Fans für mein Leben hier interessieren und diesen Blog verfolgen werden (an dieser Stelle: Hi Mami, hi Papi!). 

 

Da ich mittlerweile schon seit über einem viertel Jahr hier bin, wäre ein Resumé der vergangenen 13 (oha!) Wochen viel zu lang - dann doch lieber ein paar Eckdaten über meine Familie und mein Leben hier. 

Meine Gastfamilie:  Ist indischer Abstammung und besteht aus vier Personen:
Meiner Gastmutter Nisha
Meinem Gastvater Kishore 
  Der Tochter Amika, 14
Und dem Sohn Millan, 12

Meine Unterkunft:   Ich wohne gemeinsam mit der Familie in deren Haus, aus dem jedoch bald ausgezogen werden soll. Dieses steht in Edgware (Greater London, Zone 5) in einer Straße, in der wirklich jedes Haus gleich aussieht. Mein Zimmer ist im Obergeschoss und hat Ausblick zum Garten inklusive Magnolia Tree :-) 

Mein Alltag:  Bereits zwei Tage nach meiner Ankunft wurde ich hier inoffiziell zur Hauptverantwortlichen für absolut alles gemacht. "Jenny, where is the peeler?" "Jenny, where are my pyjamas?" "Jenny, what's for dinner?" "Jenny, did you wash this random trouser that I HAVE to wear RIGHT now?" "Jenny, do you mind?" 
Of course I don't, denn der Alltag hier macht mir wirklich Spaß, auch wenn manchmal natürlich alles nervt. Ich glaube aber, dass das ganz normal ist. 

Die Kinder: Sind toll. Wirklich wahr. Mittlerweile verstehen sie sogar meinen Humor und Millan hatte mich sowieso schon nach einer Woche durchschaut: "Jenny, you are so immature!" ist seither einer seiner
neuen Lieblingssätze. Anfangs war es oft schwer, besonders mit ihm,
aber mit der Zeit lernt man, nicht mehr alles an sich ranzulassen und
auf englisch zurück zu feuern, wenn er mir mal wieder was an den
Kopf wirft. 

Die Wochenenden:  Sind der Beste Teil der Woche! Jedes Wochenende geht es mit meinen liiiiiieben Freundinnen in die Stadt, fast jedes mal wo anders hin, da es so viel zu sehen gibt, dass ein Jahr vermutlich garnicht reicht. Mittlerweile hat man schon ein bisschen seine Lieblingsecken in dieser riesigen Stadt gefunden, Touristen sind wir eh schon lang keine mehr, und so weiß man jetzt, in welchen Pubs es den günstigsten Gin Tonic gibt und welche Ecken man zu gewissen Zeiten lieber meiden sollte. 

 

Soviel erstmal dazu. Später folgt vielleicht noch ein Eintrag über das letzte Wochenende.

Cheers! <3